Gebt ihr ihnen zu essen! (Mt 14,16)
Gebt ihr ihnen zu essen!
Es ist wie so oft mit Jesus: aus der vermeintlichen Not und dem Mangel entsteht Fülle und Auftrag.
Die Jünger sehen keinen anderen Weg als die Leute wegzuschicken. Sie sollen sich selbst versorgen, die Jünger selbst sehen keinen Weg, sie zu versorgen. Der Herr soll sie wegschicken. Man kann es den Jüngern nicht einmal übel nehmen. Wir hätten vielleicht ähnlich gedacht und gehandelt – überhaupt bilden sich im Reden und Handeln der engeren Begleiter Jesu ja auch immer wieder unser eigenes Begleiten ab, mit all unserem Unvermögen, das bei den Aposteln so da war wie bei uns auch.
Und da spricht Jesus die Worte, die die Situation völlig umdrehen und gleichzeitig die Jünger herausfordern: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!
Fünf Brote und zwei Fische – was ist das für so viele heißt es an einer anderen Stelle im Ev. Diese wenigen Dinge, wir können sie auf andere Situationen übertragen, in unserem Leben, in der Kirche heute: Das wenige, das wir haben – die wenigen, die wir sind… und so weiter
Lieber die Leute wegschicken, wir können ohnehin nichts tun.
Doch, sagt der Herr. Der Herr hilft den Jüngern, aber sie müssen mittun. Und dürfen erleben, wie im Weggeben des Wenigen eine überfließende Fülle entsteht, die weit mehr bereithält, als der Mensch mit seinem rechnerischen Horizont braucht und als notwendig erachtet.
Gott fließt über, und diesen Gott macht Jesus anschaulich, ja er IST dieser Gott, der den Menschen angenommen hat, um ihn von innen her zu erlösen und ihn gleichzeitig in seinen Dienst ruft, um mitzuwirken an der Errichtung seiner Herrschaft.
Wie ist es heute? Haben wir uns daran gewöhnt, daß der Staat und die Caritas die Fürsorge übernehmen? Haben wir in manchen Fällen nicht sogar recht, wenn wir vom Staat/ der Kirche entsprechende Leistungen erwarten?
Die Institutionen fragen, auch angesichts leerer Kassen, zurück: Was ist mit Privatinitiative? Nicht polemisch gegeneinander ausspielen. Aber bei der Feier des Privilegienfestes dürfen wir uns solche Fragen stellen lassen
Die Privilegien:
Dies nahm Kaiser Heinrich V. zum Anlass der Stadt Speyer besondere Privilegien zu verleihen. Wichtigster Bestandteil war die Abschaffung des sog. „Buteils“, einer Art Erbschaftssteuer. Dies gewährte er „allen, welche jetzt in der Stadt Speyer wohnen, oder von nun an wohnen wollen“ un­ter der Bedingniß, „dass sie alle am Jahrestag unseres Vaters feierlich zur Vigil und Messe
 
zusam­menkommen und Kerzen in den Händen tragen und von jedem Haus ein Brot den Armen zum Almo­sen geben.“
Kaiser Heinrich wußte: Die Privilegien, die man verliehen bekommt, haben etwas zu tun mit einer Verantwortung, die man trägt. Ein gutes Leben ist auch eine Aufgabe, nicht mit moralischem Zeigefinger, sondern vom Gedanken einer immer vernetzteren Welt mit s viel Hass und Unfrieden, und gleichzeitig auseinanderdriftenden Gesellschaft bei uns. Was können wir in unserer Gesellschaft/ in unserer Stadt füreinander tun?
Erst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert waren wir mehr und mehr daran gewöhnt, daß der Staat eingriff: Krankenversicherung, Alterssicherung, Arbeitslosigkeit, etc. Auf vielen caritativen Feldern sprang die Kirche ein: Nicht einfach nur, weil es der Staat nicht machte, sondern weil ihr es eingeschrieben ist vom Ursprung her.
Kirche ist diese tiefe Seinsgemeinschaft mit Jesus Christus, sie zieht sich durch von den Tagen der ersten Jünger bis zum heutigen Tag. Und dabei begleitet uns auch das heutige Wort Jesu aus dem Evangelium: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Gesprochen nicht nur zu den Jüngern damals, sondern gesprochen zu den Jüngern aller Tage, gesprochen zu uns. Was bedeutet ein solcher Satz in Zeiten immer wiederkehrender Flüchtlingsströme. Unsere Welt ist kompliziert, wir sollten nicht denen vertrauen, die uns versuchen, mit einfachen Antworten zu locken.
Die Kirche hat sich in der Nachfolge des Evangeliums immer auch für die Armen und Notleidenden verantwortlich gefühlt, nicht umsonst haben sich die 7 Werke der Barmherzigkeit so tief eingeprägt weit über den kirchlichen Kontext hinaus, zu denen auch gehört: Hungernde speisen. Die Werke der Barmherzigkeit aber sind uns allen aufgegeben, nicht nur dem sozusagen institutionalisierten Teil der Kirche in der Caritas: Not und Hunger zu stillen. Das ist im Ev nicht nur im rein materiellen Sinn gemeint, auch wenn die Evangelisten von einer Speisung berichten. Jesus hat den Menschen zu essen gegen in umfassenden Sinn, geistig und leiblich. Ja, er hat nicht nur etwas gesagt oder getan, sondern sich selbst gegeben.
Hunger ist ja nicht nur leiblicher Hunger, wie groß ist der geistige Hunger unserer Zeit, eine Leere, die sich mit Wohlstand und Aktivität nicht füllen und dauerhaft überdecken läßt.
In der Liturgie feiern wir auch jetzt wieder, worauf wir unsere Hoffnung setzen: Tod und Auferstehung Jesu. Sein Leib gegeben für uns. Und das Privilegienfest, an das wir erinnern, wollen wir als erneuten Auftrag nehmen für einen Dienst an Gesellschaft und Stadt. Von der Hoffnung künden, die unser Handeln bewegt – auch so geben wir den Menschen unserer Zeit zu essen. Amen.